Ab dem 30. März 2019 verlieren benannte Stellen (notified bodies - NB) im Vereinigten Königreich ihren NB-Status in Bezug auf die europäischen Vorschriften zur Konformität. Sie können dann nicht mehr als NB in die Verfahren zur Bewertung der Produktkonformität eingreifen, EU-Typenzertifikate ausstellen oder Qualitätssysteme zertifizieren.

Das bedeutet auch, dass die britische Typgenehmigungsbehörde nicht mehr eine EU-Typgenehmigungsbehörde ist und die Befugnisse und Pflichten einer Typgenehmigungsbehörde nach EU-Recht nicht mehr übernehmen kann.

Hersteller, die in der Vergangenheit im Vereinigten Königreich Zulassungen erhalten haben, müssen neue Zulassungen (nach Brexit) von den EU-27-Typgenehmigungsbehörden einholen, auch für bereits in Produktion befindliche Produkte, um weiterhin die EU-Gesetzgebung einzuhalten und Zugang zum EU-Markt zu erhalten.

Einige EU-Vorschriften verbieten jedoch den Antrag auf eine neue Zulassung für das gleiche Produkt (z.B. im Automobilsektor). Die einzige Möglichkeit besteht darin, dass die Europäische Kommission die sie zulassenden Rechtsvorschriften (die sich in Vorbereitung auf den Automobilsektor befinden) vorübergehend genehmigt.

Es liegt an den Unternehmen, die notwendigen Initiativen zu ergreifen: eine neue Bescheinigung einer europäischen NB zu beantragen oder die entsprechende Datei und Bescheinigung aus dem Vereinigten Königreich an eine europäische NB zu übertragen.

Ein Produkt, das vor dem Brexit ordnungsgemäß in Verkehr gebracht wurde und auch nach dem Brexit auf dem Markt verbleibt, kann aufgrund des Fehlens eines korrekten Zertifikats nicht mehr konform sein. Dies gilt auch dann, wenn das betreffende Produkt identisch ist; die Bewertung der Vermarktung umfasst jedes Produkt einzeln. Unternehmen müssen in diesem Bereich proaktiv handeln. Es wird empfohlen, dass Unternehmen eine NB EU direkt für neue Produkte nutzen.

Die NANDO-Datenbank (die alle NB nach Bereichen enthält) ermöglicht es Ihnen zu wissen, welche NB des Vereinigten Königreichs gemäß den europäischen Harmonisierungsvorschriften aktiv sind. Diese Datenbank verleiht Unternehmen die Möglichkeit, nach anderen potenziellen NB zu suchen, die im gleichen Bereich tätig sind.

Außerdem hat der Brexit Auswirkungen für die Wirtschaftsakteure.

Ein Importeur muss grundsätzlich einen Sitz in der EU haben. Wenn der Sitz des Importeurs im Vereinigten Königreich ist, müssen Sie nach dem Brexit einen anderen Importeur in der EU suchen.

Ein Vertreiber kann seinerseits Importeur werden, wenn der Sitz des Importeurs zurzeit im Vereinigten Königreich ist. Für Importeure gelten spezifische Bedingungen und Verpflichtungen, die sehr streng sein. Sie sind zugleich der Ansprechpartner der zuständigen Regulierungsbehörden für Produktkonformität.

Das gilt auch für „authorised representatives“ oder Bevollmächtigte: sie werden auch ein Sitz in der EU haben müssen, als sie früher im Vereinigten Königreich zugewiesen wurden. Einen Bevollmächtigten zuweisen ist aber keine Verpflichtung mit Ausnahme von Medizinprodukten und einigen anderen Bereichen.

Der Brexit wird auch Auswirkungen auf die Etikettierung haben: die Daten des neuen Importeurs oder Bevollmächtigen müssen auf die neuen Etiketten des Produkts erscheinen.
 

Letzte Aktualisierung
12 März 2019